“Lernt die Menschheit nie? Erinnerungskultur als Mehrgenerationenprojekt”
Wie bleibt das Schicksal von Menschen in einem Haus lebendig, aus dem sie vertrieben wurden? Wie können wir den längst verstorbenen Zöglingen aus dem Waisenhaus heute begegnen? Und wann wird aus der Pflicht zum Gedenken ein persönliches Bedürfnis, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen?
Das 80. Waisenhausgespräch widmet sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. Das historische Gebäude wird dabei zum Ort lebendiger Erinnerung, an dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander in Dialog treten.
Impuls von Schülerschaft
Genauso wie einst für die Zöglinge ist für die Schüler*innen der SchuleEins das ehemalige Waisenhaus ein vertrauter Lebensort. Hier lernen sie, schließen Freundschaften, tun verbotene Dinge auf der Schultoilette, bilden ihren ‘Moral Compass’ aus. Und sie wundern sich über ‘die älteren Herrschaften’ an der Wand des Betsaals, den die SchuleEins als Schulaula nutzt.
Seit geraumer Zeit forschen sie außerdem in verschiedenen Altersstufen über die Geschichte des Hauses. In einem Workshop mit dem Historiker Noor Hammood tragen die Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren ihre Erkenntnisse zusammen.
Beim Waisenhausgespräch präsentieren sie ihre Ergebnisse, stellen kritische Fragen und zeigen, was Erinnerung für ihre Generation bedeutet.
Szenische Lesung
“Ja, ja, wir haben aus der Geschichte gelernt!
JAA! Wir sind ein Volk der Täter.
JAA! Es tut mir so leid. Ich schäme mich so dermaßen dafür.
Und ich hab schon echt richtig viel mit meiner Omi geschimpft deswegen, das können sie sich gar nicht vorstellen.”
Das Theaterkollektiv OfW verwebt historische Dokumente mit der eigenen Haltung zur Erinnerungskultur, die zwischen Tatendrang, Widerspenstigkeit und Ratlosigkeit Halt sucht und u.a. in den Gedanken und lyrischen Texten ehemaliger Zöglinge fündig wird.
Es lesen: Anja S. Gläser und Florentine Schara
Text und szenische Einrichtung: Philipp Urrutia
Deutsch mit englischen Übertiteln.
Podiumsgespräch
Wie kann Erinnerungskultur Menschen heute erreichen? Welche Verantwortung erwächst aus der Geschichte, und wie lässt sich diese Verantwortung persönlich und gesellschaftlich gestalten?
Ein Gespräch mit:
Lena Ditte Nissen (*1987 in München): Filmemacherin und künstlerische Forscherin. Ihr Werk bewegt sich an der Schnittstelle von experimentellem Dokumentarfilm, Performance und installativer Kunst. Ein zentraler, viel beachteter Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ihrer eigenen Familie.
Rosa Jellinek (*1998 in Berlin): Content Creatorin auf Social Media, Aktivistin und politische Bildnerin. Sie arbeitet online und offline zu den Themen Judentum & Antisemitismus, Queerness & Feminismus sowie Internetaktivismus & Hate Speech. Derzeit ist sie als TikTok-Creatorin am Jüdischen Museum Berlin beschäftigt.
Leslie Baruch Brent-Hall (Betsaal)
Haupteingang: Berliner Straße 120–121
13187 Berlin
www.waisenhaus-pankow.de
Eintritt frei.
Voranmeldung über kontakt@cajewitz-stiftung.de
Eine Veranstaltung der Cajewitz Stiftung in Kooperation mit der SchuleEins, Theater OfW und mit freundlicher Unterstützung der Lotto Stiftung Berlin.